Der Dadaismus wurde in 1916 in Zürich und Berlin aus der Taufe gehoben. Er war eine künstlerische Reaktion auf die zunächst bedrohlichen und schließlich realen Schrecken der ersten industriellen Vernichtung. Er richtete sich gegen „die blödsinnige Schweinerei des Krieges“ (Max Ernst) und „die Tobsucht des menschlichen Größenwahns“ (Hans Arp).
Auch John Heartfields warnende Fotocollagen spiegeln die Vorahnungen jener Zeit. Und wer nicht wegschaut kann aktuell in Politik und Medien die Ähnlichkeit der Militarisierung von Sprache und Symbolik erkennen. Sich diese Parallelen bewusst zu machen, könnte Nachdenklichkeit und friedensstiftenden Einhalt fördern. Zumal das Lernen aus der Geschichte zu erlahmen droht. Es scheint, als spiele „die Gnade der späten Geburt“ der Nachfolgegeneration – mangels Kriegserfahrung und zunehmender Geschichtsvergessenheit – den Propagandisten der Kriegstüchtigkeit in die Hände.
Die Dadaisten setzten ihre Kunst als satirisch-ironische Trotz-Bewegung dem gesellschaftlichen Mainstream der Kriegspropaganda entgegen, und stellten gleichzeitig ihre eigene Kunst durch ihr kreatives Nein und ihr Bekenntnis des DaDa als Nicht-Kunst in Frage.
Offen bleibt, ob der Dadaismus nach der kollektiven Erfahrung zweier großer Kriege lediglich eine ironische und inzwischen rein ästhetisierte Sentenz von gestern präsentiert, oder ob sich seine kreative Selbstironie und gewollte Absurdität auch aktuell als künstlerischer Erinnerungspool gegen die Unsinnigkeit von Krieg und selbstschädigendem Umweltfrevel artikulieren kann.